Warum unsere Arbeit notwendig ist

In vielen Sahel-Regionen ist das Land übernutzt, ausgelaugt und kann sich nicht natürlich regenerieren. Degradierte Böden nehmen das Regenwasser nicht auf und erodieren. Frei weidendendes Vieh frisst junge Triebe ab und Büsche und Bäume werden für der hohen Bedarf an Brennholz zum Kochen gefällt. Dadurch wird die Ernährungssicherheit und Lebensgrundlage der dort lebenden Bauernfamilien, welche zu über 80% Selbstversorger sind, gefährdet.

Um das natürliche Gleichgewicht zwischen Nutzung und Regeneration wiederherzustellen, braucht es einen nachhaltigen Schutz. Bauernfamilien schützen ihr Land mit einem Zaun und gewinnen daraus Nahrung und Einkommen.

So wird Land geschützt
Zunächst wird eine Parzelle ausgemessen und abgesteckt,
dann werden Pfosten zementiert
und schliesslich der Zaun geflochten.

Natürliche Regeneration – Schritt für Schritt

Am Anfang steht der Wunsch der Bauernfamilien: Ein Stück Land wieder fruchtbar zu machen, um Einkommen zu generieren. Für die Umsetzung bewerben sie sich mit einer geeignete Fläche – in der Regel etwa drei Hektar Land und schildern ihre Motivation. Noch vor einer möglichen Zusage, werden Landrechte geklärt, Nachbarn informiert und gemeinsame Regeln besprochen.

Die ausgewählten Familien übernehmen bereits bei den ersten Schritten die Initiative. Sie steuern auch das lokal verfügbare Baumaterial bei – beispielweise Steine, Sand und Wasser – und organisieren die Arbeitskräfte. Unter Anleitung eines Programm-Mitarbeiters errichten sie gemeinsam mit Familienmitgliedern und oft auch mit Unterstützung aus dem Dorf den Zaun: Es werden Löcher gegraben, Pfosten gesetzt, Drähte gespannt und Zäune von Hand geflochten.

Ein schmaler Streifen am Rand der Parzelle bleibt für die landwirtschaftliche Nutzung reserviert – meist für den Anbau von Hirse, Bohnen oder Erdnüsse. Zusätzlich dient dieser Streifen als Brandschutzgürtel.

Nach dem Bau bleibt die Verantwortung bei den Familien. Sie verpflichten sich, keine Tiere in die Parzelle zu lassen, den Zaun instand zu halten und die Fläche nachhaltig zu bewirtschaften. Sie pflegen das Land mit viel Eigeninitiative und Engagement nach den gemeinsam vereinbarten Regeln. Positive Veränderungen sind schon nach einer Regenzeit spürbar. Der gesamte Prozess wir von den Mitarbeitenden von newTrees lokaler Partnerorganisation begleitet. Diese stellt zusätzliches Material, Fachwissen und technische Unterstützung zur Verfügung. 

Wie wir Perspektiven schaffen

Regeneration

Durch die Einzäunung wird geschädigtes Land vor Tierverbiss und Abholzung geschützt. So kann sich eine vielfältige lokale Vegetation auf natürliche Weise erholen – eine nachhaltige Wiederbewaldung, die die Bodenfruchtbarkeit langfristig verbessert.

Ernährungssicherheit

Auf geschützten Parzellen können Bäumen hochwachsen, Früchte und Nüsse erzeugen. Diese wie auch die Blätter können Bauern zum Verzehr ernten. Ergänzend dazu wachsen auf den Landwirtschaftsstreifen rund um die Parzelle Agrarprodukte, für den Verzehr oder zum Verkauf.

Bildung & Verbreitung

In Schulungen lernen Bauernfamilien, wie sie ihre Parzelle nachhaltig bewirtschaften können. Schnell sichtbare Erfolge motivieren und dienen der Verbreitung der Methoden auch ausserhalb der geschützten Flächen.

Eigeninitiative

Die Parzellen-Einzäunung erfolgt durch die Bauernfamilien selbst. Auch die Bewirtschaftung ihrer Parzellen erfolgt eigenständig entsprechend ihrer Bedürfnisse – mit viel Motivation und Zuversicht.

Unser Schutz zeigt Wirkung

Bereits nach einer Regenzeit zeigen sich erste Veränderungen, nach wenigen Jahren deutliche Veränderungen – sowohl in der Landschaft als auch im Leben der beteiligten Familien und in ihrem Umfeld.

Es entsteht ein geschützter Raum, in dem sich die Natur erholen kann. Gräser, Sträucher und Bäume wachsen wieder, auch Arten, die ausserhalb der Parzelle kaum noch vorkommen. Der Boden ist wieder bedeckt, neuer Humus entsteht, der Boden kann das Regenwasser wieder aufnehmen und die Erosion geht zurück. Mit der Vegetation kehren Insekten zurück, mit diesen Vögeln und kleine Nagetiere. Schlangen, Wildkatzen und Schakale haben so wieder Nahrung und allmählich erholt sich das ökologische Gleichgewicht.

Fläche bieten neue Nutzungsmöglichkeiten…
Neben Getreide- und Gemüseanbau am Parzellenrand wachsen im Inneren der Parzelle Bäume und Futterpflanzen, von denen Nichtholzprodukte geerntet oder verkauft werden. Auch Blätter, Früchte oder Heilpflanzen spielen eine wichtige Rolle für die Bauernfamilien. Mit dem wachsenden Gras lassen sich Ziegen, Schafe und Rinder auf dem Hof versorgen – und sie müssen ihr Futter nicht in der Umgebung suchen. Der Druck auf natürliche Ressourcen nimmt ab. Viele Familien können Imkerei betreiben – Bienen finden wieder Nahrung. All das verbessert und diversifiziert nicht nur die Ernährung, sondern schafft zusätzliches Einkommen.

… und decken Ausgaben
Was mit der Parzelle erwirtschaftet wird, kann direkt für Alltagsausgaben wie Schulgebühren und medizinische Versorgung verwendet oder in die Landwirtschaft reinvestiert werden. Manche Familien erweitern ihre Fläche oder setzen das Gelernte auch ausserhalb der Parzelle um, etwa Strauchpflege oder Kompostierung.

Mehr als eingezäunte Flächen
Geschützte Parzellen sind ein erprobter und nachhaltiger Weg, um der Verödung des Sahel entgegenzuwirken, die Biodiversität zu fördern, CO₂ zu binden – und Familien zu stärken, ihre Lebensgrundlagen selbst aufzubauen.

Weil sie lokal verankert sind und über viele Jahre begleitet werden, wirken die geschützten Parzellen ökologisch, sozial und wirtschaftlich. So gewinnen Dörfer an Stabilität, Spielraum und Perspektiven.

Studien belegen die Wirksamkeit

Die vielfältige Wirkung wird in Zusammenarbeit mit der Forschung (z.B. mit der Schweizerischen Vogelwarte, s. Blogbeitrag Studie belegt Wirksamkeit geschützter Parzellen) belegt. Jede neue Parzelle bringt wertvolle Erfahrungen, die geteilt und weitergegeben werden.

Sichtbare Langzeitwirkung

Von der Degeneration zur Regeneration

Natürliche Regeneration verwandelt ausgelaugte Böden zu wieder fruchtbarem Land. Dies sichert langfristig Ernährung, Einkommen und Biodiversität – und stärkt zugleich das lokale Klima durch die entstehende Biomasse mehr CO₂ aus der Atmosphäre gebunden werden kann.

Die Satellitenaufnahmen zeigen 2010 ein kahles Stück Land. Zwei Jahre später hat die Partnerorganisation tiipaalga eine Familie darin unterstützt, eine Parzelle aktiv zu schützen.
2024, zwölf Jahre nach der Einzäunung, wachsen zahlreiche neue Bäume und Sträucher auf dem zuvor fast kahlen Boden. Besonders erfreulich ist, dass sich die Vegetation auch in unmittelbarer Umgebung ausbreitet.